Das Faxgerät ODER: Wie ein unscheinbarer grauer Kasten die ganze Welt überzeugte
Das Faxgerät ist meist schlicht schwarz oder grau, steht irgendwo in einer Ecke, gibt komische Geräusche von sich und spuckt allzuoft nur Werbung aus, die man sowieso nicht liest. Doch wie es im Leben so oft mit den Unscheinbaren ist: Auch das unscheinbare Faxgerät ist einen zweiten Blick wert und überrascht infolge umso mehr.
Wie alle unscheinbar Daherkommenden hatte es das Faxgerät schwer damit, seinen Platz in der Welt, genauer gesagt, in den Büros dieser Welt zu finden. Sein Eintritt in diese Welt liegt schon lange zurück, länger als manch einer wohl vermuten mag. Schon im fernen Jahr 1843 konstruierte ein Schotte, der zudem Uhrmacher war, einen sogenannten Kopiertelegrafen. Dieses Gerät war in der Lage, Schriften und Zeichen in Schwarzweiß elektrisch zu übertragen. Während des ersten Weltkrieges tüftelten eifrige Menschen weiter an der Entwicklung, die bald in “Bildtelegraf” umbenannt war. In den folgenden Jahren musste der graue Kasten dann eine erneute Umbenennung über sich ergehen lassen und hieß fortan “Fernkopierer”. Manch einer hätte jetzt schon aufgegeben und nach diesen vielen Umbenennungen ein Identitätsproblem. Nicht so dieser Vorfahr unseres Faxgerätes. Es wusste, dass seine Zeit noch kommen würde. Und so stand es weitere lange Jahre genügsam in dunklen Ecken und duldete die Missachtung und den Staub.
Qualität setzt sich durch
Im Jahr 1974 schließlich bekam es seine erste größere Chance: Die Firma Infotec stellte es in größerer Stückzahl her. Als fünf Jahre später die Deutsche Bundespost den Faxdienst einführte, blinkten die kleinen roten und grünen Lämpchen an unserem kleinen grauen Kasten zum ersten Mal so richtig freudig auf. Und das Gerät fasste durch diese leichte Verbesserung seiner Situation (zumindest, was die Perspektive betraf, tatsächlich stand es immer noch dunkel und staubig) weiteren Mut und duldete sein Schattendasein weitestgehend klaglos. Nur ab und zu gab es ein verstimmtes Knarzen von sich, dass aber niemals ein Mensch als solches zu deuten verstand.
Und dann, am Ende der 80er Jahre, zahlte sich das jahrzehntelange, ja eigentlich über ein Jahrhundert lange Warten und Sich-Gedulden des grauen Kastens endlich aus: Denn endlich durfte das Gerät, das nun überall Faxgerät genannt wurde, in immer mehr Büros einziehen.
Und heute ist es aus keine Büro mehr wegzudenken, denn auch im Zeitalter der Computer, Handys und Smartphones braucht man seine treuen Dienste noch.